Steuererklärung selber machen oder einen Steuerberater beauftragen? Diese Frage stellen sich viele Privatpersonen jedes Jahr aufs Neue. Die Antwort ist nicht pauschal, denn es hängt von deiner persönlichen Situation ab. In vielen Fällen holt ein guter Steuerberater mehr raus, als er kostet. Aber nicht immer.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Steuerberater kostet Privatpersonen durchschnittlich 300 bis 1.000 Euro pro Jahr für die Einkommensteuererklärung
- Die durchschnittliche Steuererstattung in Deutschland liegt bei rund 1.100 Euro
- Besonders lohnend ist ein Steuerberater bei komplexen Fällen wie Immobilien, Kapitalerträgen oder Nebeneinkünften
- Für einfache Steuerfälle reicht oft ein gutes Steuerprogramm wie WISO oder Taxfix
Was kostet ein Steuerberater für Privatpersonen?
Die Kosten richten sich nach der Steuerberatergebührenverordnung (StBVV). Der Steuerberater kann innerhalb eines festgelegten Rahmens seine Gebühr wählen. Für eine Einkommensteuererklärung als Privatperson hängt die Gebühr von der Höhe deiner Einkünfte ab.
Typische Preisspannen:
- Einfache Arbeitnehmer-Steuererklärung (nur Lohn, keine Besonderheiten) – 200 bis 500 Euro
- Steuererklärung mit Vermietung – 400 bis 800 Euro
- Komplexe Fälle (mehrere Einkunftsarten, Kapitalerträge, Auslandsbezug) – 600 bis 1.500 Euro
Die Kosten für den Steuerberater sind selbst als Werbungskosten oder Sonderausgaben absetzbar. Das heißt, ein Teil der Gebühr kommt über die Steuererstattung indirekt wieder zurück.
Wann lohnt sich ein Steuerberater?
Ein Steuerberater rechnet sich vor allem in diesen Situationen:
- Vermietung und Verpachtung – Abschreibungen, Instandhaltungskosten und Werbungskosten bei Immobilien sind komplex und bieten hohes Einsparpotenzial
- Nebeneinkünfte – Wenn du neben dem Hauptjob selbstständig oder freiberuflich tätig bist
- Erstmaliger Immobilienkauf – Grunderwerbsteuer, Finanzierungskosten und Abschreibungen richtig ansetzen
- Heirat oder Scheidung – Steuerklassenwahl, Splitting-Vorteil, Unterhaltszahlungen
- Erbschaft oder Schenkung – Freibeträge optimal nutzen, Steuerlast minimieren
- Kapitalerträge im Ausland – Quellensteuer, Doppelbesteuerungsabkommen, Anrechnungsverfahren
- Hohe Werbungskosten – Doppelte Haushaltsführung, Umzugskosten, Fortbildungen über 1.000 Euro
Wann reicht ein Steuerprogramm?
Für einfache Steuerfälle ist ein Steuerprogramm oft die bessere Wahl. Die Software kostet zwischen 15 und 45 Euro und führt dich Schritt für Schritt durch die Erklärung.
Ein Steuerprogramm reicht meistens, wenn du:
- Nur Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit (Gehalt) hast
- Standardmäßige Werbungskosten wie Fahrtkosten und Arbeitsmittel absetzen willst
- Keine Immobilien vermietest
- Keine ausländischen Einkünfte hast
- Keine komplexen familiären Veränderungen (Scheidung, Erbschaft) vorliegen
Beliebte Programme sind WISO Steuer, Taxfix, Smartsteuer und SteuerGo. Die meisten bieten eine Vorausberechnung an, bevor du die Erklärung abschickst. So siehst du vorab, ob sich die Erklärung für dich lohnt.
Steuerberater vs. Lohnsteuerhilfeverein
Neben dem Steuerberater gibt es auch Lohnsteuerhilfevereine. Diese sind günstiger (Jahresbeitrag nach Einkommen, typisch 100 bis 300 Euro), dürfen aber nur Arbeitnehmer beraten. Selbstständige oder Vermieter können die Dienste eines Lohnsteuerhilfevereins nicht in Anspruch nehmen.
Für Angestellte mit einfachen bis mittelkomplexen Steuerfällen ist der Lohnsteuerhilfeverein oft die beste Wahl: günstiger als ein Steuerberater, aber kompetenter als ein Steuerprogramm.
So findest du einen guten Steuerberater
- Empfehlungen einholen – Frag Freunde, Familie oder Kollegen nach ihren Erfahrungen
- Spezialisierung beachten – Manche Steuerberater sind auf bestimmte Bereiche spezialisiert (Immobilien, Freiberufler, internationale Steuern)
- Erstgespräch nutzen – Viele Steuerberater bieten ein kostenloses Erstgespräch an
- Kosten vorher klären – Lass dir einen Kostenvoranschlag geben, bevor du den Auftrag erteilst
- Online-Steuerberater prüfen – Anbieter wie Felix1 oder Kontist bieten digitale Steuerberatung zu festen Preisen an
Fazit
Ein Steuerberater lohnt sich für Privatpersonen vor allem bei komplexen Steuerfällen wie Immobilienbesitz, Nebeneinkünften oder familiären Veränderungen. In diesen Fällen holt ein guter Berater oft deutlich mehr raus, als er kostet. Für einfache Arbeitnehmer-Steuererklärungen reichen Steuerprogramme oder ein Lohnsteuerhilfeverein. Rechne dir vorab aus, ob die potenzielle Steuerersparnis die Beratungskosten übersteigt.
Häufig gestellte Fragen
Wie viel kostet ein Steuerberater für eine einfache Steuererklärung?
Für eine einfache Arbeitnehmer-Steuererklärung zahlst du in der Regel zwischen 200 und 500 Euro. Die genaue Gebühr richtet sich nach der Höhe deiner Einkünfte und der Komplexität deines Falls.
Kann ich die Steuerberaterkosten von der Steuer absetzen?
Ja, die Kosten für den Steuerberater sind als Werbungskosten (für die Anlage N) oder Sonderausgaben (für den Mantelbogen) absetzbar. Ein Teil der Kosten kommt also über die Steuererstattung zurück.
Welche Frist gilt, wenn ich einen Steuerberater habe?
Mit Steuerberater verlängert sich die Abgabefrist für die Steuererklärung auf den letzten Februartag des übernächsten Jahres. Für das Steuerjahr 2025 hast du also bis Ende Februar 2027 Zeit.
